

1) Schlussfolgerungen aus Sicht des unabhängigen Evaluationsberichts:
a) Umsetzung erfolgreicher FuVeMo-Produkte verstärken: Die Phase 2 hat die Gefahren einer zu starken Verzettelung der Massnahmen aufgezeigt. Ein zukünftiges „Mobilitätsprogramm“ sollte sich auf die Stärken von FuVeMo wie den Koexistenzansatz oder erfolgreiche Mobilitätsangebote konzentrieren. Dazu gehört namentlich auch das im Frühsommer 2006 gestartete Projekt „Lebensraum Quartier“.
b) Verkehrs- und Mobilitätsstrategie verfolgen: Zusätzlich zur klassischen Verkehrsplanung ist eine Mobilitätsplanung zu etablieren. Das heisst, das Verkehrssystem ist als Gesamtheit zu betrachten und nicht nur aus Sicht eines einzelnen Verkehrsmittels. Es geht um bessere Kombinationsmöglichkeiten von motorisiertem, öffentlichem und Langsamverkehr. Neben neuen Angeboten sind diesbezüglich vor allem die Kommunikationsanstrengungen auszubauen. Die Kompetenzen und Prozesse in der Verwaltung sind entsprechend zu prüfen.
c) Langsamverkehrsnetz optimieren und erweitern: Wohl am auffälligsten für BesucherInnen in Burgdorf ist die Tatsache, dass sie im Bahnhofsbereich zwar auf ein fussgängerfreundliches Verkehrsregime treffen, beim Verlassen dieses Bereichs aber sehr schnell der Eindruck einer bestenfalls durchschnittlichen velo- und fussgängerfreundlichen Verkehrsinfrastruktur entsteht. Der Handlungsbedarf zur Optimierung des Langsamverkehrsnetzes ist erkannt und im Verkehrsrichtplanentwurf Burgdorf (Februar 2005) auch festgehalten (namentlich in Bezug auf „direktere Verbindungen von den Aussenquartieren in die Innenstadt“).
d) Integration in die regionale Gesamtverkehrsplanung: Die Wirkungsanalysen haben gezeigt, dass Verbesserungen im Langsamverkehr zwar eine notwendige, aber noch keine hinreichende Massnahme für eine substanzielle Verlagerung vom motorisierten Individualverkehr zum Langsamverkehr sind. Mit einer Beruhigung des Durchgangsverkehrs, Massnahmen zur Förderung des öffentlichen Verkehrs und einem innovativen Umgang mit publikumsintensiven Einrichtungen sind weitere wichtige Elemente im Rahmen der Agglomerationsprogramme aufgezeigt. Eine entsprechende zentrale Herausforderung in der Zukunft ist die regionale Vernetzung der FuVeMo-Projekte mit den übergeordneten Massnahmen.
e) Wirkungen laufend kommunizieren: Eine erfolgreiche Massnahme der Phase 2 waren die verstärkten Kommunikationsanstrengungen. Diese sollten auch bei zukünftigen Aktivitäten beibehalten werden. Bei der Wahl der Kommunikationsform ist grosser Wert auf den Erkennungseffekt zu legen. Beispielsweise könnte die Rolle der ‚fussnote‘ als Informationsforum gestärktwerden.
f) weiterhin Zusammenarbeit pflegen: Ein entscheidender Erfolgsfaktor der FuVeMo war die Integration von innovativen Persönlichkeiten aus dem Gewerbe und anderen Akteurengruppen. Solche Formen der Zusammenarbeit sollten auch bei zukünftigen Projekten immer wieder gesucht werden.
2) Schlussfolgerungen aus Sicht der Burgdorfer Stadtverwaltung:
Welche Schlüsse zieht die Stadt Burgdorf aus der Modellstadterfahrung?
Die FuVeMo hat gezeigt, dass Innovation auch im Bereich der „sanften Mobilität“ möglich und nötig ist. Die Gelegenheit, neuartige Ansätze und pionierhafte Ideen versuchsweise und unbürokratisch umzusetzen, muss auch in Zukunft vorhanden sein.
Auch der „Modellstadt“ Burgdorf haben die 10 Jahre Versuchslabor viel gebracht. Einerseits bewirkten die grosse Publizität und die vielen Besucherdelegationen spannende Gespräche und einen regen Erfahrungsaustausch, andererseits führte die Diskussion rund um das Thema Mobilität zu einem neuen Verkehrsbewusstsein und damit zu einem veränderten Verkehrsverhalten. Wir sind überzeugt, dass die gegenseitige Rücksichtnahme im Verkehr (Stichwort Koexistenz) in den 10 Jahren FuVeMo zugenommen hat. Die Diskussion um Mobilitätsfragen brachte aber auch die Erkenntnis, dass die komplexen aktuellen Verkehrsprobleme nicht allein mit der Förderung einer einzelnen Mobilitätsform gelöst werden können. Es braucht für zukünftiges Handeln gesamtheitliche, verkehrsträgerübergreifende Überlegungen.
Die Erfahrungen haben aber auch die Grenzen eines einzigen Versuchslabors gezeigt. Nicht nur lasten die allgemeinen, administrativen Aufgaben auf einem einzigen Partner, auch hat der Standort nicht immer die „richtige“ Grösse für ein bestimmtes Vorhaben, das heisst, mangels entsprechender Nachfrage oder Platz können nicht alle Ideen ausprobiert werden. Zudem nimmt bei einem so lange dauernden Pilotprojekt die Gefahr von Innovationsmüdigkeit zu; dies wurde in Burgdorf während der zweiten Phase spürbar.
Als einzige Modellstadt stand Burgdorf von Anfang an unter Innovationsdruck, vermehrt noch nach dem „grossen Wurf“ der Flanierzone; doch Kreativität lässt sich nicht einfach bestellen und die Messlatte war sehr hoch angesetzt. Aufgrund der von Gemeinde zu Gemeinde sehr unterschiedlichen Datengrundlagen fehlten für Begleituntersuchungen bzw. Projektevaluationen weit gehend Vergleichsmöglichkeiten. In diesem Zusammenhang wären Referenzgemeinden, mit welchen das Vorgehen abgesprochen gewesen wäre, sehr dienlich gewesen. Es wurde uns auch bewusst, wie wichtig es bei Pilotprojekten ist, die Begleituntersuchung bereits vor der eigentlichen Durchführung zu beginnen, um die Wirkung von Massnahmen erhärtet nachweisen zu können. Aus diesen Gründen sowie wegen der Verschiebung der inhaltlichen Schwerpunkte innerhalb des Bundesamts für Energie wird die Fussgänger- und Velomodellstadt keine dritte Phase erleben.
Die Stadt Burgdorf aber wird sich dafür einsetzen, dass sich kleine und mittelgrosse Städte vermehrt vernetzen, um voneinander zu profitieren und Synergiepotenzial zu erschliessen. Ein solches Städtenetz interessierter und aktiver Gemeinden könnte einen Pool von Versuchsstätten für pilotartige Modellvorhaben bilden. Aus den Erfahrungen mit der FuVeMo lassen sich viele Lehren ziehen, wie solche Modellvorhaben in Zukunft angegangen, umgesetzt und evaluiert werden müssten. Vorausgesetzt, das Interesse ist in anderen Gemeinden vorhanden, wird sich Burgdorf auf jeden Fall an einer solchen Vernetzung beteiligen.
Schliesslich hat der FuVeMo-Geist bereits in den vergangenen zehn Jahren die Aktivitäten der Gemeinde beeinflusst, und er wird es weiterhin tun. Die Kultur der Lösungssuche unter Einbezug der Betroffenen und über die dogmatischen Grenzen hinweg hat sich etabliert und bewährt. Im Rahmen einer noch zu erarbeitenden Gesamtmobilitätsstrategie für die Emmestadt und die Region wird der Langsamverkehr eine besondere Rolle einnehmen, denn gemäss der Kordonzählung 2006 erfolgen ca. 40% aller Fahrten auf Kurzdistanzen; das Umsteigepotenzial im Burgdorfer motorisierten Binnenverkehr ist also noch beträchtlich.

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Gedruckte Exemplare des Evaluationsberichts (Fr. 25.-) können Sie per Mail anfordern: modelcity@burgdorf.ch (solange Vorrat). |