Burgdorfer StadtMAGAZIN Nr. 03 - Herbst 2025

23 mehr. Ein Mitgliederstopp kam nie infrage, zu klar war das Ziel: Der TCB soll ein Tennisclub für alle sein, nicht für wenige. Silvio Tanner, seit 1959 Mitglied, erinnert sich: «Früher durften wir Junioren ab 17 Uhr nicht mehr spielen. Wir mussten mit alten, verbrauchten Bällen trainieren, während die Herren Direktoren und Doktoren ihre neuen Filze schlugen.» 1975 kam der Aufbruch: neue Plätze, neue Anlage, ja sogar eine Tennishalle sollte entstehen. Am 21. November 1978 erfolgte der Spatenstich im Lindenfeld. Der Club beteiligte sich am Aktienkapital der Halle. Es folgte ein Neubeginn, der den TCB fit für die Zukunft machte. Der Boom war kein vorübergehendes Phänomen. Tennis wurde zum Breitensport – in allen Altersklassen, für Männer, Frauen, Kinder. Turniere wurden beliebter, Trainings professioneller. Tennis wurde zum Ganzjahressport, auch in Burgdorf. Man bot kostenlose Kurse für Schüler, engagierte Trainer und baute die Infrastruktur kontinuierlich aus. Vom weissen Sport zum Volkssport Was früher elitär war, wurde breit untermauert, was sich auch in der Sprache niederschlug. Vom «Smash» bis zum «Volley» – Begriffe, einst exklusiv, wurden Alltagsvokabular. Auch das Vorurteil der teuren Ausrüstung zerbröckelte. Vom Kind bis zum Grosselternteil konnten auf einmal alle Tennis spielen. Die soziale Durchmischung spiegelte sich auch in der Clubkultur: «Irgendwann gab es kleine Ansteckschilder mit der Aufschrift ‹Sportler sagen Du – ich heisse …›. So hat man sich langsam vom Herr Doktor verabschiedet», erzählt der 83-jährige Silvio Tanner schmunzelnd. In Burgdorf spielte man nicht nur aus Freude, sondern auch auf beachtlichem Niveau. Der Swiss-Tennis-Finaltag der Senioren ab 30+ findet seit über zehn Jahren in Burgdorf statt. Grössen wie Marc Rosset, Severin Lüthi oder Jakob Hlasek setzten sportliche Glanzlichter. Hunderte von freiwilligen Helferinnen und Helfern, Platzwarten, Organisatoren und Vorstandsmitgliedern, halten im Stillen den Laden am Laufen. Tradition und Entwicklung Wer den Tennisclub Burgdorf heute besucht, merkt schnell: Hier ist etwas gewachsen, das über die reine Infrastruktur hinausgeht. Die gepflegten Plätze, das schöne Clubhaus, das Engagement der Mitglieder – all das ist Ausdruck von Identifikation, Gemeinschaft und Hingabe. Es ist kein Zufall, dass auswärtige Gäste die Anlage als «Bijou» loben. Ein Jahrhundert Vereinsgeschichte bedeutet nicht nur Rückblick, sondern auch Ausblick. Der TCB steht für Tradition, aber auch für Entwicklung. Der Verein ist offen für Neues, für junge Spielerinnen und Spieler, für Familien, für Plausch- wie für den Leistungssport. Er lebt vom Miteinander – damals wie heute. «Einst selbst Junior, sind heute mehrere junge Vorstandsmitglieder für diverse Ressorts ehrenamtlich verantwortlich», betont Clubpräsidentin Jacqueline Mumenthaler. «Das ist nicht selbstverständlich.» Im Jubiläumsjahr 2026 sind zahlreiche Aktivitäten geplant – sportlich, gesellig und historisch. Einer der Höhepunkte wird eine festliche Ballnacht sein, als charmante Reminiszenz an jene Freinacht von 1926, ohne die es den Club vielleicht nie gegeben hätte. «Früher war Tennis ein Sport für die Oberschicht. Die Herren spielten in langen weissen Hosen.» Silvio Tanner, seit 1959 Mitglied im TCB titution Der erste Tennisplatz Mitte der 1920er Jahre am heutigen Standort der Markthalle. Heute existieren 9 gepflegte Sandplätze neben der Tennishalle im Lindenfeld.

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc3MzQ=