24 In diesem Jahr feiert die Kulturfabrik ihr 40-jähriges Bestehen. Bereits Ende August gab es aus diesem Anlass ein grosses Fest mit vielen Gästen, Dîner, Musik, Performance, Torte und Feuerwerk. Dass die Kulturfabrik so lange Bestand haben würde und zu einer festen Institution in Burgdorf wird, darauf hätten vor 40 Jahren wohl nur die wenigsten gewettet. Heute ist die Fabrik ein Ort mit Strahlkraft weit über Burgdorf hinaus. Die frühen 1980er-Jahre waren eine bewegte Zeit. Ältere Leserinnen und Leser können sich vielleicht erinnern: In einigen Schweizer Städten brodelte es, mancherorts brannte es sogar. Die Jugendunruhen waren unverkennbar und unüberhörbar. Mit Nachdruck und Lautstärke machte die junge Generation auf ihre Anliegen aufmerksam. Nicht etwa als dumpfe Fundamentalkritik an Staat, Gesellschaft oder Wirtschaft, sondern mit der glasklaren Forderung nach autonom verwalteten Freiräumen für Jugendkultur. Die gab es damals nämlich nicht. Urknall der Bewegung war ein heutzutage fast zynisch anmutender Beschluss des Zürcher Stadtrats: Das renommierte Opernhaus sollte für 60 Millionen Franken renoviert werden, während praktisch im selben Atemzug das autonome Jugendzentrum geschlossen wird. Die Situation eskalierte, und es kam zu wüsten Krawallen. So weit kam es im beschaulichen Burgdorf natürlich nicht. Es gab lediglich einige, teilweise gehässige Diskussionen rund um ein gewünschtes Jugendhaus. Einzelne Bürgerinnen und Bürger, die anonym bleiben wollten, befürchteten, dass ein autonom geführtes Jugendhaus automatisch zu Drogenkonsum und Randalen führen würde. Gleichzeitig wuchs jedoch das Bedürfnis der jungen Generation nach Raum für ihre Kultur, ihre Interessen und autonome Selbstverwaltung. Raum für Kunstschaffen und Jugendkultur Auf der Suche nach einem geeigneten Atelier entdeckten Urs Graf und seine Partnerin Petra Fischer zufällig das leerstehende Fabrikareal am Rand von Burgdorf. Er konnte die Besitzer der ehemaligen Elektromotorenfabrik überzeugen, die rund 2‘000 Quadratmeter umfassenden Gebäude und die Vorplätze an einen noch nicht existierenden Trägerverein zu vermieten. Und dies zu einem Jahreszins von 26 Franken pro Quadratmeter. Damit war der Grundstein für die Kulturfabrik an der Lyssachstrasse gelegt. Der im Frühling 1985 gegründete Verein «IG-Kultur in der Fabrik» mietete das Gebäude mit dem Ziel, darin ein 40 Jahre Kulturfabrik Experimentierfreude mit Be
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