7 Die Gemüsebauern Anita und Stephan Kuhn fahren nebst Ersigen jetzt auch auf den Burgdorfer Markt für den Samstag. Es ist ein bewusstes «Sowohl-alsauch»: unten mehr Frequenz, oben noch mehr Auswahl, mit einem Zusatzprogramm ab Frühling 2026, das auch Familien stärker anziehen soll, ohne den Markt zum Fest umzuflaggen. «Ein Markt soll ein Markt bleiben», sagt Jonas Jakob. Dass das gelingen kann, zeigt der Nachtmarkt: Dreimal im Jahr füllt und belebt er die Gassen. Natürlich gibt es Einwände. Wer in der Oberstadt einen Laden oder ein Café führt, fragt sich, ob der Donnerstag ohne Markt nicht noch stiller wird. Jonas Jakob bestreitet das nicht – er nennt es «traurigerweise ein Verlust». Aber er hält dagegen, dass der Donnerstagsmarkt so, wie er war, kein Markt mehr ist: vier, fünf Stände, kaum Vielfalt – zu wenig, um Laufkundschaft aus Gewohnheit anzulocken, zu wenig, um neue Marktfahrende zu begeistern. «Konkurrenz belebt das Geschäft», sagt er, und meint damit nicht nur die Stände untereinander, sondern auch die Beziehung zwischen Markt und stationärem Handel. Wenn in der Bahnhofstrasse mehr los ist, profitieren auch die Läden im Quartier. Und wenn in der Schmiedengasse der Samstag wieder «boomt», dann ist das gut für die dortigen Detaillisten. Das sei das Ziel und der Umzug die einzige Chance. Dazu passt, dass die Organisatoren die Hürden tief halten wollen. Wer etwas beitragen möchte, sei willkommen. «Das Anmeldeverfahren für Interessierte ist unkompliziert», sagt Jonas Jakob. Wer’s versuchen will, solle sich melden. Es ist dieser Ton – «Chum, probiers!» – der unter Marktfahrenden Vertrauen schafft und unter Kundinnen Neugier. Und das deckt sich mit dem, was die Neuen sagen: Die Standplatzmieten seien moderat, die Motivation der Organisatoren spürbar, man fühle sich ernst genommen. Wer durch die Bahnhofstrasse geht, sieht bereits, was der Markt hier vorfinden wird: Der Standort ist nicht romantisch – aber urban im besten Sinn. Genau das ist die Hoffnung, dass ausgerechnet dieses Umfeld dem Markt gut tut. Unten geht man sowieso vorbei – und bleibt dann vielleicht stehen, weil der Duft von Brot aus dem Marktstand weht, weil der Nüsslersalat bei Kuhns lockt, weil das Frischfleisch einfach «amächeliger» aussieht als im 0-8-15 Kühlregal und weil frischer Fisch auch im «Ich möchte es allen recht machen. Aber hier geht das nicht. Wir müssen jetzt einen Markt retten.» Jonas Jakob, Geschäftsführer Pro Burgdorf
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