30 dass ich für etwa eine Stunde komme, aber oftmals dauert es länger», sagt sie lächelnd. Manche Menschen treffen beim Einkaufen auf sie und sagen schon Wochen vorher, wie sehr sie sich auf den Besuch freuen. Christine Blaser beschreibt diese Treffen als etwas, das ihr selbst viel gibt. «Ich lerne Lebensläufe kennen, die mir so nicht geläufig sind. Das Zuhören ist spannend, und es gibt einem viel zurück.» Wie breit Freiwilligenarbeit in Burgdorf ist, sieht man auch an den vielen niederschwelligen Angeboten rund ums Deutschlernen. So besuchen über hundert Menschen den Deutschkurs der christlichen BewegungPlus. Am Samstag bietet die Evangelisch-methodistische Kirche das «Samschtig Zmorge» mit Sprachbegleitung an. Und im «Offenen Haus» der reformierten Kirche treffen sich Neuankömmlinge mit Freiwilligen, lernen, sprechen, trinken Kaffee, während die Kinder betreut werden. Sprache wird hier nicht als Prüfungsfach vermittelt, sondern als Werkzeug zum Ankommen und für die Integration. Hilfe bei Hausaufgaben Und dann gibt es Orte wie den Hausaufgabentreff im Aemmebrügg-Quartier. Wenn die Kinder am Mittwochnachmittag in den Gyriträff kommen, entsteht eine konzentrierte, aber zugleich entspannte Atmosphäre. 20 bis 25 Kinder sind jeweils am Mittwochnachmittag vor Ort. Elf Freiwillige begleiten Kinder der 1. bis 6. Klasse durch ein Schuljahr und erbringen dabei etwa 500 unbezahlte Stunden. Es geht um Deutsch und Mathematik, aber auch darum, dranzubleiben und ruhig zu arbeiten. Manche üben Lesen, andere Kopfrechnen oder bereiten sich auf eine Prüfung vor. Nebenbei werden Regeln eingeübt, Konflikte geklärt und gegenseitige Rücksicht gestärkt. Dinge, die genauso wichtig sind wie ein korrekt gelöstes Aufgabenblatt. All diese Beispiele zeigen, wie vielfältig freiwillige Arbeit in Burgdorf ist. «Es gibt unzählige Gebiete, wo enorm viel freiwillig geleistet wird», betont Anette Vogt. Sie spricht vom Flüchtlings- und Asylbereich, von Sportvereinen, Besuchsdiensten, der Pfadi, Kinder- und Jugendangeboten, von Natur- und Umweltprojekten. «Viele Freiwillige setzen sich sehr engagiert ein und tun dies eher leise und unauffällig. Ein langfristiges Engagement braucht jedoch viel Kraft und Zeit. Dies entsprechend zu würdigen ist das Mindeste, was die Stadt tun kann.» Freiwilligenkonzept der Stadt Diese Worte spiegeln das eingangs erwähnte Grundgefühl: Freiwillige sind ein Herzstück der Gemeinschaft. Damit dieses Herzstück gesund bleibt, braucht es Rahmenbedingungen. Genau dafür hat die Stadt Burgdorf ihr Freiwilligenkonzept geschaffen. Es legt Wert auf gute Einführung, Begleitung, Austausch, klare Verantwortlichkeiten und Anerkennung. Ein Engagement darf nicht überlasten, Einsätze sollen ein «gesundes Mass an emotionaler Belastung» nicht überschreiten. Weiterbildungen werden ermöglicht, Materialkosten übernommen, und einmal im Jahr gibt es einen Dankesanlass. Es sind kleine Zeichen, aber sie vermitteln Wertschätzung. Das UNOJahr der Freiwilligen will dieser Arbeit Raum geben und damit andere zum Engagement ermutigen. Denn oft beginnt Einsatzwille nicht mit einem Entschluss, sondern mit einer Idee: Vielleicht könnte auch ich etwas tun. Wer mitmacht, merkt schnell, wie viel man zurückbekommt. Die Stärke einer Gemeinschaft Eine Stadt wie Burgdorf lebt von Menschen. Von den Warmherzigen, den Pragmatikern, den Geduldigen, den Mutigen, den Stillen, den Ausdauernden. Von denen, die wissen: Eine Stadt ist nicht nur ein Ort, an dem man wohnt. Sie ist ein Ort, den man gemeinsam trägt und gestaltet. Manche Einsätze sind sichtbar, andere passieren im Hintergrund. Gemeinsam entsteht daraus eine Kultur, in der Menschen einander unterstützen, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Vielleicht liegt genau darin die besondere Stärke unserer kleinen Stadt: Viele tragen ein Stück Verantwortung, und zusammen entsteht etwas, das keiner allein in dieser Art und Weise schaffen könnte. «Viele Freiwillige setzen sich sehr engagiert ein, und dies eher leise und bescheiden. Ihr Engagement braucht viel Kraft und Zeit.» Anette Vogt, Leiterin Fachstelle Integration Burgdorf
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