22 Sie kommen aus fernen Ländern und mit völlig unterschiedlichen schulischen Voraussetzungen nach Burgdorf: Im Regionalen Intensivkurs PLUS lernen Jugendliche seit bald zehn Jahren nicht nur Deutsch, sondern auch, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Das Angebot bereitet sie vor für ihren Weg in Schule, Beruf und Alltag. Mit klaren Strukturen, individueller Förderung und viel Geduld. Wer das Schulzimmer des Regionalen Intensivkurses PLUS (RIK+) im Untergeschoss des BZ Emme sucht, braucht schon mal Geduld. «Es kann für manche einer kleinen Odyssee gleichkommen», sagt Klassenlehrer Roger Hess. Einmal angekommen, erwartet die Besuchenden eine überraschende Ruhe. Zehn Jugendliche lernen konzentriert an den Pulten. Einige arbeiten in Hefte vertieft, andere am Laptop. Kein Gemurmel, kein Herumrufen, kein Handygeklingel. Roger Hess sitzt neben einem Schüler und erklärt ruhig einen Arbeitsauftrag. Anderswo notiert ein Mädchen neue deutsche Wörter in ihrem Arbeitsheft. An der Wandtafel stehen klar gegliedert die Ziele und der Ablauf des Morgens. Es herrscht Struktur statt Hektik, Konzentration statt Dauergetuschel. Was hier stattfindet, ist mehr als Sprachunterricht. Es geht um Orientierung, Selbstvertrauen und darum, in einem fremden Land überhaupt erst einmal anzukommen. Seit nunmehr zehn Jahren richtet sich der vom Kanton Bern getragene und der Volksschule angegliederte Sprachkurs an Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren, die erst seit kurzer Zeit in der Schweiz leben und kaum Deutsch sprechen. Manche kommen mit solider Schulbildung nach Burgdorf, andere haben jahrelang keine oder gar nie eine Schule besucht. Die Unterschiede der Jugendlichen aus aller Welt sind enorm, sowohl sprachlich, kulturell, schulisch als auch biografisch. Genau darin liegt die grösste Herausforderung. «Wir haben hier eine Heterogenität, die man mit keinem anderen Schulsetting vergleichen kann», sagt Roger Hess. Seit acht Jahren unterrichtet er im Burgdorfer RIK+. Davor arbeitete er 15 Jahre als Oberstufenlehrer in Lyss und Belp und auch zwei Jahre mit traumatisierten syrischen Kindern in Bern und geflüchteten Irakern in Neuenegg. Heute begleitet er Jugendliche auf einem Weg, der oft mit Unsicherheit, Heimweh und unverarbeiteten Traumata verbunden ist. Deutsch als wichtigstes Werkzeug Denn die Jugendlichen kämpfen nicht nur mit der deutschen Grammatik und dem Wortschatz. Viele tragen Belastungen mit sich, über die sie kaum sprechen können. «Zur Pubertät kommen Kulturunterschiede, Trauer, Fluchterfahrungen oder ein grosser Integration – 10 Jahre RIK+ Burgdorf Die Sprache als Schlüssel zu
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