Burgdorfer StadtMAGAZIN Nr. 02 - Sommer 2026

INHALT IMPRESSUM: Das Burgdorfer StadtMAGAZIN erscheint dreimal jährlich | Herausgeber: Stadt Burgdorf, Kirchbühl 19, Postfach 1570, 3401 Burgdorf, Telefon: 034 429 91 11, stadt@burgdorf.ch, burgdorf.ch | Konzept und Gestaltung: YOUHEY Communication AG, Burgdorf | Redaktionsteam: Stefan Ghioldi, Stefan Berger, Dagmar Kopše, Hans Rudolf Kummer, Rudolf Holzer, Urs Lüthi, Daniel Frei, Torfinn Rothenbühler, Peter Ruch (YOUHEY), Adrian Gebhard (YOUHEY) | Redaktionsleitung: Peter Ruch | Texte: Peter Ruch, Adrian Gebhard | Bilder: Adrian Gebhard, Peter Ruch, zvg, Adobe Stock | Titelseite: Dieter Meierhans, zvg SONDERTEIL PRO BURGDORF: Text und Redaktion: Jonas Jakob, Markus Hofer | Bilder: Marco Meneghini (Marco Meneghini Fotografie) Druck: Haller+Jenzer AG, Burgdorf | Das StadtMAGAZIN wird klimaneutral auf 100%-Recycling-Papier gedruckt | Gesamtauflage: 24’800 Expl. Verteilgebiet: Burgdorf, Aefligen, Ersigen, Hasle bei Burgdorf, Heimiswil, Hindelbank, Kaltacker, Kirchberg, Lyssach, Oberburg, Rüdtligen-Alchenflüh, Rüegsauschachen, Rüti bei Lyssach, Utzenstorf, Wynigen. BLS Werkstätte Oberburg Ein Grossprojekt mit vielen Facetten 4 Wizards Bern Burgdorf Der Weg zum Titel begann vor Jahren 8 Zivilschutzorganisation Ämme BE Ein Jahr zwischen Aufbau und Einsatz 10 Biodiversität Zertifizierung von öffentlichen Arealen 12 Pro Burgdorf Sommer in Burgdorf 14 Integration – 10 Jahre RIK+ Burgdorf Die Sprache als Schlüssel zur Zukunft 22 Selina Lutz Zwischen Sandstein und Sehnsucht 24 Schwammstadt Entsiegelung auf privatem Grundstück 27 Abschied vom Leben Der letzte Weg hat sich gewandelt 28 Villa Schnell Hereinspaziert in den Ideengarten 30 Veranstaltungen / Hinweise / Tipps 31

Editorial Liebe Burgdorferinnen und Burgdorfer, liebe Leserinnen und Leser aus der Region Was macht eine Stadt eigentlich aus? In dieser Ausgabe des Stadtmagazins begegnen wir vielen unterschiedlichen Aspekten des städtischen Lebens. So wird gleich auf den ersten Seiten über die neue BLS-Werkstätte Oberburg, eines der grössten Infrastrukturprojekte unserer Region, berichtet. Sie steht für die Bedeutung Burgdorfs als Wirtschafts- und Arbeitsstandort und für seine Rolle als regionale Drehscheibe des Bahnverkehrs. Zugleich zeigt der Beitrag, wie anspruchsvoll die Planung und Umsetzung solcher Vorhaben unter komplexen Voraussetzungen ist. Einen ganz anderen Blick auf unsere Region eröffnet die Geschichte über die Wizards Bern Burgdorf. Der Schweizer Meistertitel ist ein toller sportlicher Erfolg und das Resultat konsequenter Nachwuchsarbeit, einer grossen Portion Beharrlichkeit und dem enormen Engagement von Menschen, die an eine gemeinsame Idee glauben. Um Menschen geht es auch im Artikel über den Regionalen Intensivkurs PLUS. Seit zehn Jahren begleitet dieses in der Öffentlichkeit wenig bekannte Angebot Jugendliche auf ihrem Weg in Schule, Beruf und Gesellschaft. Der Beitrag macht deutlich, wie wichtig Sprache für das Ankommen, die Teilhabe und eine gelingende Integration ist. Städtische Lebensqualität hängt zunehmend auch davon ab, wie wir alle mit unserer natürlichen Umgebung umgehen. Der Beitrag zur Förderung der Biodiversität auf städtischen Arealen zeigt anhand konkreter Beispiele auf, wie Burgdorf seine Grünräume ökologisch aufwertet und so das Stadtklima positiv beeinflusst. Besonders aufmerksam machen möchte ich Sie auf den Ideengarten Villa Schnell. Er lädt dazu ein, einen besonderen und geschichtsträchtigen Ort Burgdorfs neu zu entdecken und zu beleben. Mit dem regelmässigen Format «Hereinspaziert» schafft die Stadt einen offenen Rahmen für Begegnungen, Fragen, Anregungen und neue Ideen. Ich würde mich freuen, wenn viele Burgdorferinnen und Burgdorfer diese Gelegenheit nutzen. Denn eine Stadt lebt nicht zuletzt vom Mitdenken, von guten Ideen und von der Lust ihrer Bevölkerung, das Zusammenleben aktiv mitzugestalten. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und viele schöne Begegnungen in unserer liebenswerten Stadt. Man sieht sich! Herzlich, Stefan Berger Stadtpräsident

4 Die Bauarbeiten für den Um- und Neubau der BLSWerkstätte Oberburg haben im vergangenen Herbst begonnen und sollen 2028 abgeschlossen werden. Das Projekt auf Burgdorfer Gemeindegebiet stellt vielschichtige Anforderungen, da zahlreiche Schnittstellen zu anderen Vorhaben bestehen und viele Akteure beteiligt sind. Schon seit 1977 betreibt die BLS am Standort Oberburg eine ihrer drei Werkstätten. Hier werden die Fahrzeuge des Bahnunternehmens regelmässig gewartet und gereinigt sowie Kontrollen und Reparaturen durchgeführt. Um die rund 150 Personenzüge und 100 Lokomotiven in Schuss zu halten, wird in den Werkstätten rund um die Uhr im 3-Schicht-Betrieb gearbeitet. Denn jeder Zug und jede Lok wird mindestens einmal pro Woche einer Werkstätte zugeführt. Dieser regelmässige Service bildet ein wichtiges Rückgrat des Bahnunternehmens. Weil die Prognosen für den Bahnverkehr weiterhin steigende Fahrgastzahlen erwarten lassen, müssen die Werkstätten auch künftig über entsprechend ausreichende Kapazitäten verfügen. Dies ist mit Modernisierungen sowie Um- und Neubauten verbunden. So wurde die Anlage in Spiez in den vergangenen Jahren umfassend saniert, die für grössere Reparaturen und Revisionen zuständige Werkstätte in Bönigen wird etappenweise bis 2028 umgebaut, und auch die Werkstätte in Oberburg soll Ende 2028 ihren Vollbetrieb mit rund 100 Mitarbeitenden aufnehmen. Die Wahl des Standorts Die BLS hatte das Bauprojekt für die neue Werkstätte ursprünglich am Standort Chliforst Nord in Bern ausgearbeitet. Später zeichnete sich jedoch ab, dass juristische Verfahren den Bau der neuen Werkstätte über Jahre verzögern oder gar verunmöglichen könnten. «Die Risiken eines abschlägigen Gerichtsurteils gegen eine Baubewilligung konnten nicht reduziert werden, um innerhalb der nötigen Frist zur Umsetzung zu gelangen», erläutert Benjamin Märklin, zuständiger Projektleiter bei der BLS AG. Deshalb wurde nach anderen Lösungen gesucht, um die regelmässige Wartung auch nach 2030 gewährleisten zu können. BLS Werkstätte Oberburg Ein Grossprojekt mit vielen «Zusammen mit Spiez ist Oberburg unerlässlich, um unsere Fahrzeuge fachgerecht zu warten und deren Sauberkeit und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.» Benjamin Märklin, Projektleiter Werkstätte Oberburg BLS AG

5 Schliesslich wurde die projektierte Anlage kleiner konzipiert und gewisse betriebliche Einschränkungen in Kauf genommen, so dass die Realisierung am bestehenden Standort Oberburg möglich wurde. Da auch die Standortgemeinden Burgdorf und Oberburg grosses Interesse am Erhalt der Werkstätte und deren Arbeitsplätzen zeigten, entschied die BLS das Projekt in Bern aufzugeben und auf den Standort Oberburg zu setzen. Facetten Hohe Komplexität und viele regionale Aspekte Dass ein Projekt dieser Grössenordnung – die Kosten belaufen sich auf rund 280 Millionen Franken – mit einer hohen Komplexität verbunden ist, versteht sich von selbst. Im Fall der Werkstätte Oberburg spielen jedoch besonders viele Faktoren und Interessen eine Rolle. So gilt es beispielsweise, die geplante Sanierung der Lochbachstrasse oder den Ausbau der Logistikinfrastruktur von Armasuisse im benachbarten AMP zu berücksichtigen und deren Umsetzung zu koordinieren. Hinzu kommen die Berührungspunkte mit den Massnahmen rund um die Verkehrssanierung «Emmentalwärts» Burgdorf–Oberburg–Hasle, deren Detailprojektierungen angelaufen sind, sowie mit dem bereits projektierten Radweg von Oberburg nach Hasle. Die Linienführung dieses Radwegs war eigentlich bereits 2021 festgelegt und vom Kanton bewilligt worden. Nach dem Entscheid der BLS die Werkstätte in Oberburg zu bauen, wurde jedoch eine Anpassung notwendig. In Zusammenarbeit zwischen Kanton und BLS wurde für den betroffenen Teil eine neue Linienführung definiert. So wird etwa die geplante Unterführung der Bahngleise rund 100 Meter Richtung Hasle verschoben. Und auf einer Länge von 400 Metern führt der Radweg über die neue Erschliessungsstrasse der © BLS Visualisierung des Neubaus BLS Werkstätte Oberburg © BLS / Nighturse Images

6 Werkstätte. Die Bauarbeiten des Radwegs beginnen, koordiniert mit den Arbeiten an der BLS Werkstätte, im Herbst 2027 mit der Erstellung der Schutzgerüste entlang der Bahnlinie. Die Inbetriebnahme des Radwegs ist gemäss Bau- und Verkehrsdirektion des Kantons Bern für Frühjahr 2029 geplant. Offene Kommunikation in jeder Projektphase Die BLS legt grossen Wert auf den konstruktiven Austausch mit den betroffenen Gemeinden Burgdorf und Oberburg. So wurden Anliegen zur Anordnung der Anlage, welche die Verkehrsbelastung oder die Schliessintervalle von Bahnschranken beeinflussen, ebenso berücksichtigt wie die zu erwartenden Auswirkungen während der Bauphasen. «Ein solches Projekt bringt Herausforderungen in Bereichen wie Verkehr, Baustellenlogistik und Umwelt mit sich. Diese Themen wurden frühzeitig und transparent zwischen der BLS und den Gemeinden Burgdorf und Oberburg angegangen, damit die Belastungen für Bevölkerung und Umfeld möglichst gering gehalten werden können», sagt Beat Buri, Bauverwalter von Oberburg. Die Zusammenarbeit sei durchwegs konstruktiv und lösungsorientiert. Und auch die transparente, fortlaufende Information der Bevölkerung mit Anlässen für Anwohnerinnen und Anwohner sowie einer eigens geschaffenen regelmässigen «Sprechstunde» helfe mit, die Akzeptanz für das Projekt im ohnehin bereits stark verkehrsbelasteten Oberburg zu fördern. Ähnlich sieht es auch Felix Haller, Projektleiter bei der Burgdorfer Baudirektion: «Wir wurden als Standortgemeinde stets einbezogen und konnten unsere Interessen in allen Belangen wahren. Dies, obwohl die ganzen Bewilligungsverfahren in der Zuständigkeit des Bundes liegen und wir als Standortgemeinde lediglich beratend wirken können.» Er sei zudem ebenfalls überzeugt, dass die BLS Werkstätte auch ein starkes Zeichen für den Industriestandort setze. Die architektonische Gestaltung des Neubaus nehme denn auch Bezug auf die industrielle Prägung von Burgdorf und Oberburg. In die ausgebaute Werkstätte werden künftig rund 25 Züge pro Tag ein- und ausfahren «Der Um- und Ausbau der BLS Werkstätte ist ein wichtiges Zeichen für den Wirtschaftsraum Burgdorf / Oberburg. Sie ist ein bedeutender Beitrag zum regionalen Arbeitsplatzangebot und passt bestens in den industriellen Charakter unserer Region.» Beat Buri, Bauverwalter Oberburg © BLS

7 Mit Blick auf Natur und Umweltauflagen Der mächtige Grundwasserstrom in der Region stellt für viele Bauprojekte in der Talsohle des Emmentals eine besondere Herausforderung dar. So auch für die BLS Werkstätte Oberburg. Denn es gilt, das Grundwasser, das die Trinkwasserversorgung von Burgdorf und des gesamten unteren Emmentals massgeblich speist, vor möglichen Verschmutzungen zu schützen. Die entsprechenden kantonalen Auflagen erfordern weitreichende Massnahmen, welche die Tiefbauarbeiten besonders aufwändig und entsprechend kostenintensiv machen. Doch nicht nur der Schutz des Grundwassers spielt auf dem 6 Hektaren Grossen Areal zwischen den Bahngleisen und dem Emmedamm eine Rolle. Auch die Risiken von Hochwasserschäden müssen bedacht und in der Planung berücksichtigt werden. Aktueller Stand und nächste Bauphasen Der Bau schreitet planmässig voran, und die Baustelle nimmt sichtbar Form an. So sind die Werkleitungen grösstenteils neu verlegt, und die Tiefbauarbeiten für den Neubau laufen auf Hochtouren. Gleichzeitig werden in der bestehenden Werkstätte weiterhin Servicearbeiten durchgeführt. Voraussichtlich bis im Frühling 2027 wird die Baugrube für die neue Halle ausgehoben sein, sodass die Arbeiten für den Rohbau der neuen Gebäude starten können. Zeitgleich erfolgt der Bau des Entwässerungssystems. Ebenfalls ab Frühjahr 2027 beginnen die Arbeiten für die neue Radwegunterführung. Ab Sommer 2027 folgt eine intensive Bauphase mit den Rohbauarbeiten für die neue Halle sowie dem Abbruch des bestehenden Gebäudes. Ab Frühling 2028 werden die Gleise neu angelegt, das Nebengebäude für Reinigung und Graffitientfernung errichtet und der Innenausbau der neuen Halle umgesetzt. Ende 2028 soll die Werkstätte Oberburg nach rund dreieinhalbjähriger Bauzeit schrittweise ihren Betrieb aufnehmen. «Dank einer sorgfältigen Planung waren wir gut auf die Umweltauflagen vorbereitet und mussten das Projekt nur punktuell anpassen, um die Baubewilligung zu erhalten..» Benjamin Märklin, Projektleiter Werkstätte Oberburg BLS AG Die Teilbereiche der neuen Werkstätte Oberburg © BLS / Nighturse Images

8 Der Meistertitel der Wizards Bern Burgdorf kam nicht aus dem Nichts. Er ist vielmehr das Resultat jahrelanger Aufbauarbeit, mutiger Entscheidungen und einer Vereinskultur, die konsequent auf Nachwuchs, Zusammenhalt und Leidenschaft setzt. Hinter dem grössten Erfolg der Vereinsgeschichte steckt deshalb weit mehr als nur eine starke Saison. Als die Spielerinnen des Unihockey-Clubs Wizards Bern Burgdorf im Frühjahr in Fribourg den Meisterpokal in die Höhe stemmten, war das mehr als nur ein sportlicher Triumph: Zum ersten Mal holte ein FrauenUnihockeyverein aus dem Kanton Bern den Schweizer Meistertitel. Die Bilder gingen dank Social Media weit über die Unihockeyszene hinaus: jubelnde Spielerinnen, Freudentränen, eine Halle mit über 8'000 Zuschauerinnen und Zuschauern, die beinahe explodierte. Doch die eigentliche Geschichte der Wizards beginnt lange vor diesem Finalabend. Sie beginnt in kleinen Turnhallen. Mit Eltern, die Fahrdienste übernehmen. Mit Freiwilligen, die Spieltage organisieren. Mit Trainerinnen und Trainern, die Woche für Woche investieren. Und mit einem Verein, der über viele Jahre hinweg bewusst einen Weg gewählt hat, der Geduld verlangt. «Wir galten lange als Talentschmiede, die den letzten Schritt nicht schafft», sagt Tatjana Greber, Vereinspräsidentin und Sportchefin der Wizards. Tatsächlich gehörte der Club in den vergangenen Jahren regelmässig zu den stärksten Teams der Schweiz. Immer wieder spielte man vorne mit, erreichte Halbfinals, blieb dran – und scheiterte doch oft kurz vor dem grossen Coup. Viele Vereine hätten in einer solchen Situation wohl versucht, mit erfahrenen Transfers oder kurzfristigen Lösungen nachzuhelfen. Die Wizards entschieden sich bewusst dagegen. «Wir mussten auch Lehrblätze einfahren», sagt Tatjana Greber. «Aber das Dranbleiben und Dranglauben hat's gebracht.» Der Lohn für konsequente Nachwuchsarbeit Diese Haltung zieht sich bis heute durch den ganzen Verein. Die Wizards setzen konsequent auf den eigenen Nachwuchs. Und genau dieser Ansatz wurde nun belohnt. In den vergangenen vier Jahren wurde die U21 zweimal Schweizer Meister und zweimal VizeMeister. Viele jener Spielerinnen standen nun auch beim Titelgewinn der ersten Mannschaft auf dem Feld. «Wer Vertrauen schenkt, wird mit Leistung belohnt», sagt Vizepräsident Yves Aeschbacher. Dass die Wizards heute überhaupt auf diesem Niveau arbeiten können, hat allerdings auch mit Entscheidungen zu tun, die Jahre zurückliegen. Ein zentraler Wendepunkt war die Fusion der Grossfeld-Teams mit den Bern Capitals im Jahr 2013. Unter dem damaligen PräsiWizards Bern Burgdorf Der Weg zum Titel begann

9 denten Thomas Gübeli entstand daraus der heutige Verein Wizards Bern Burgdorf. Damals befand sich der Frauen-Unihockeysport mitten in einem Professionalisierungsschub. Wer langfristig konkurrenzfähig bleiben wollte, musste breiter aufgestellt sein. Sportlich, geografisch und organisatorisch. «Natürlich habe ich gehofft, dass wir uns so entwickeln können», sagt Thomas Gübeli heute rückblickend. «Aber ich hätte mir das in dieser Form damals nicht vorstellen können.» Die Fusion brachte neue Möglichkeiten. Der Verein gewann an Reichweite, das Einzugsgebiet wurde grösser. Spielerinnen aus Bern, Burgdorf, Biel, Olten und weiteren Regionen fanden zusammen. Gleichzeitig blieb etwas erhalten, das für die Wizards bis heute zentral ist: die familiäre Kultur. «Wir hatten immer sehr engagierte Eltern und viele Leute mit Herzblut», sagt Thomas Gübeli. «Ohne dieses Umfeld wäre vieles gar nicht möglich gewesen.» Bemerkenswert ist dabei, wie unkompliziert die Fusion damals verlief. Ohne Rivalitäten funktionierte der Zusammenschluss erstaunlich reibungslos. «Rückblickend bin ich selbst überrascht, wie einfach das ging. Wir hatten es wohl gut aufgegleist.» Doch auch er betont heute, dass die Fusion alleine den Meistertitel noch lange nicht erklärt. Viel wichtiger sei die kontinuierliche Arbeit danach gewesen. Der Verein professionalisierte sich Schritt für Schritt, ohne seine Identität zu verlieren. Genau diese Mischung scheint heute eine der grossen Stärken der Wizards zu sein. Einerseits wird leistungsorientiert gearbeitet, andererseits wirkt vieles rund um den Verein erstaunlich bodenständig. «Wir sind ein familiärer Verein, der vom Teamgeist lebt», so Tatjana Greber. Hier geht es längst nicht nur um Resultate. Es herrscht eine besondere Vereinskultur mit einer Energie, die ansteckend wirkt. «Es fägt eifach», sagt Yves Aeschbacher lachend. Und vielleicht erklärt dieser Ausdruck den Verein besser als alles andere. Denn die Wizards funktionieren nicht primär über grosse Budgets oder spektakuläre Einzeltransfers, sondern über Menschen, die bereit sind, unglaublich viel Zeit und Herzblut zu investieren. Viele von ihnen bleiben dem Verein über Jahre hinweg verbunden. Auch Thomas Gübeli engagiert sich bis heute noch für die Wizards, wenn auch nicht mehr an vorderster Front. «Die Wizards sind mir sehr ans Herz gewachsen.» Mangel an Hallen und helfenden Händen Der sportliche Erfolg bringt nun allerdings auch neue Herausforderungen mit sich. Der Verein wächst, gleichzeitig fehlen Hallenkapazitäten. Die Wizards trainieren und spielen mittlerweile in acht verschiedenen Hallen. Für einen Spitzenverein ist das alles andere als ideal. «Wir wollen allen eine Perspektive bieten», unterstreicht Yves Aeschbacher. «Da brauchen wir die Unterstützung der Stadt, denn als Burgdorfer Verein wollen wir auch in Burgdorf spielen.» Erschwerend hinzu kommt der zunehmende Mangel an Freiwilligen. Das ist ein Problem, das viele Sportvereine beschäftigt. Deshalb versuchen die Wizards derzeit, neue Wege zu finden, Helfende langfristig einzubinden. Trotz des Meistertitels soll sich die grundsätzliche Philosophie nun nicht verändern. Der Verein will weiterhin in den Nachwuchs investieren, sowohl im Leistungs- als auch im Breitensport Perspektiven schaffen. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Bedeutung dieses Meistertitels. Nicht als einmaliger Exploit, sondern als sichtbarer Beweis dafür, dass nachhaltige Vereinsarbeit gerade heute funktioniert. «Viele Spielerinnen dieses Meisterteams sind bei uns gross geworden.» Tatjana Greber, Präsidentin Wizards Bern Burgdorf vor Jahren Bilder: Dieter Meierhans, zvg

10 Zivilschutzorganisation Ämme BE Ein Jahr zwischen Aufbau un Die neue Zivilschutzorganisation Ämme BE hat ihr erstes Betriebsjahr hinter sich. Dabei galt es, eine vollkommen neue Organisation aufzubauen und die Einsatzbereitschaft von Beginn weg sicherzustellen. Zwischen Wiederholungskursen, Einsätzen in Gemeinden, Betreuung in Institutionen und zahlreichen organisatorischen Aufgaben zeigt sich: Der Zivilschutz übernimmt heute weit mehr Aufgaben, als viele Menschen vermuten. Wenn im Emmental irgendwo ein Bach über die Ufer tritt, ein Altersheim Unterstützung braucht oder bei einem Grossanlass plötzlich hunderte Hände fehlen, dann stehen sie bereit: die Angehörigen des Zivilschutzes. Seit Anfang 2025 übernimmt die neue Zivilschutzorganisation Ämme BE diese Aufgabe für 28 Gemeinden der Region. Hinter dem nüchternen Namen steckt eine Organisation, die im vergangenen Jahr praktisch bei null beginnen musste und gleichzeitig vom ersten Tag an funktionieren sollte. Denn der Start der neuen Zivilschutzorganisation war mehr als eine reine Fusion auf dem Papier: Neue Strukturen mussten aufgebaut, Material zusammengeführt, Standorte organisiert und Abläufe definiert werden. Gleichzeitig lief der Betrieb bereits weiter. Oder anders gesagt: Während im Hintergrund noch organisiert und geplant wurde, standen die ersten Zivilschützer bereits im Einsatz. «Eine der grössten Herausforderungen waren die logistischen Elemente», sagt Bataillonskommandant Dominique Bösiger. «Wir mussten einen neuen Hauptstandort suchen, welcher genügend Parkplätze bietet und eine grosse Küche für die Verpflegung hat, damit wir im WK eine Kompanie mit mindestens 100 Personen unterbringen können.» So begann das Jahr gleich mit Einsätzen an den SkiWeltcuprennen in Adelboden und am Lauberhorn. Dort unterstützten Angehörige des Zivilschutzes die Veranstalter hinter den Kulissen – bei Sicherheit, Infrastruktur und Logistik. Einsätze, die körperlich fordernd sind und zeigen, wie breit das Aufgabenfeld des Zivilschutzes heute geworden ist. Insgesamt leisteten die Angehörigen der ZSO Ämme BE im ersten Jahr rund 4’300 Diensttage. Starke Veränderungen in den letzten Jahren Doch die eigentliche Arbeit spielt sich selten im Rampenlicht ab. Viel häufiger geht es um Dinge, die einfach funktionieren müssen. Im Verlauf des Jahres absolvierten sämtliche Kompanien ihre Wiederholungskurse. Dabei wurde nicht nur geübt und ausgebildet: Die Zivilschützer arbeiteten in den Gemeinden mit, unterstützten Institutionen oder halfen bei praktischen Arbeiten vor Ort. Besonders gefordert waren auch die

11 nd Einsatz Betreuungseinheiten. Sie führten zusätzliche Kurse in zehn Institutionen im gesamten Einsatzgebiet durch und unterstützten Bewohnerinnen und Bewohner im Alltag. Gerade dort zeigt sich, wie stark sich der Zivilschutz in den letzten Jahren verändert hat. Der Zivilschutz im Wandel Früher dachte man dabei vor allem an Schutzräume und den Kalten Krieg. Auch wenn die Schweiz bis heute über ein dichtes Schutzraumnetz verfügt und die Bevölkerung im Ereignisfall bestimmten Schutzräumen zugewiesen wird, geht es heute zunehmend um Naturereignisse, Strommangellagen, Evakuationen oder längere Krisensituationen. Der moderne Zivilschutz soll nicht nur schützen, sondern auch helfen, den Alltag in ausserordentlichen Situationen aufrechtzuerhalten. «Der Zivilschutz hat sich in den letzten Jahren zu einem enorm wichtigen Partner im Bevölkerungsschutz gewandelt», betont Dominique Bösiger. «Es sind komplexe und intensive Aufgaben, welche heute gemeistert werden müssen.» Und obschon er kein Ersteinsatzelement ist, unterstützt er die Partner im Bevölkerungsschutz mit seinem Know-how und kann sie entlasten. Damit das funktioniert, musste bei der ZSO Ämme BE zuerst die Organisation selbst aufgebaut werden. Ein wichtiger Schritt war deshalb der neue Hauptstandort in Koppigen. Dort wurde eine bestehende Zivilschutzanlage entsprechend umgebaut. Material, Kleidung und Infrastruktur wurden zusammengeführt, Lager organisiert und die Anlage so eingerichtet, dass heute ganze Kompanien direkt vor Ort ausgebildet und verpflegt werden können. Parallel dazu lief viel Arbeit, die nach aussen kaum sichtbar war. Rechtliche Grundlagen mussten fertiggestellt, eine neue Buchhaltung eingeführt und eine neue Website aufgebaut werden. Vieles davon geschah im Hintergrund, war aber entscheidend dafür, dass die neue Organisation überhaupt funktionieren konnte. Dass dies gelungen ist, zeigte eine kantonale Überprüfung. Dabei erhielt die neue Organisation bereits im ersten Jahr sehr gute Bewertungen bezüglich Struktur und Einsatzfähigkeit. Zivilschutz soll sichtbarer werden Trotzdem versteht man das erste Jahr bei der ZSO Ämme BE eher als Anfang denn als Abschluss eines Neuaufbaus. Bereits 2026 sollen weitere Standorte ausgebaut und die Organisation weiter optimiert werden. Zudem möchte man den Zivilschutz in der Bevölkerung sichtbarer machen und gezielt neue Freiwillige ansprechen – insbesondere auch Frauen. Denn eines ist den Verantwortlichen bewusst: Bevölkerungsschutz funktioniert nur mit Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis aus diesem ersten Jahr. Der Zivilschutz beginnt nicht erst dann, wenn irgendwo Sirenen heulen. Er beginnt bei der Ausbildung, in der Zusammenarbeit und im Engagement. Oder, wie es im ersten Jahresbericht der ZSO Ämme BE treffend heisst: «Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.» «Jede unserer Kompanien ist hochmotiviert und der Wunsch nach Veränderungen und Professionalisierung ist spürbar.» Dominique Bösiger, Bataillonskommandant Die neu formierte Zivilschutzorganisation Ämme BE bei einem Lernendenanlass des VBS und bei einem Gemeindeeinsatz zsoemme-be.ch

12 In Burgdorf hat der Erhalt und die Stärkung der Artenvielfalt einen hohen Stellenwert. Erklärtes Ziel ist es, die Biodiversitätsflächen auf Gemeindegebiet sowohl quantitativ als auch qualitativ weiterzuentwickeln. Mit der Zertifizierung von drei Arealen auf öffentlichem Grund wurde unlängst ein weiterer Schritt in diese Richtung vollzogen. Schon seit 2022 vergibt die Stadt Burgdorf zusammen mit der Stiftung Natur & Wirtschaft die Auszeichnung «Garten der Zukunft» an Burgdorferinnen und Burgdorfer, die ihren privaten Garten naturnah und artenreich gestalten. Eine durchwegs erfolgreiche Initiative: Bereits über 60 Gärten der Zukunft schmücken unsere Stadt, und die Aktion wird auch in diesem Jahr fortgeführt. Mit der Zertifizierung öffentlicher Flächen geht die Stadt nun einen entscheidenden Schritt weiter und setzt mit ersten Projekten die in der Legislaturplanung definierten Massnahmen zur Stärkung der Biodiversität auf Gemeindegebiet um. So konnten bis heute bereits die Grünanlage beim Alpenzeiger, der Park beim Ententeich sowie die Freifläche des Kindergartens Choserfeld umgestaltet und erfolgreich zertifiziert werden. Wertvoller Lebensraum für einheimische Tier- und Pflanzenarten Als die Stadt Burgdorf vor 115 Jahren den Hang hinter dem Gymnasium erwarb, dachte niemand an Biodiversität. Vielmehr war das Ziel, eine öffentliche Parkanlage mit Aussicht auf die Alpen zu schaffen und dieses Alpenpanorama zu bewahren. Zudem wollte man damit dem wenige Jahre zuvor gebauten Gymnasium eine herrschaftliche Erscheinung, mit halbkreisförmiger Promenade und neoklassizistischem Brunnen, verleihen. 2024 begann die Umgestaltung der Fläche rund um den Alpenzeiger hin zu einer Verbindung von hoher ökologischer Qualität und architektonischer Gestaltung. Insgesamt entstanden über 6‘300 m2 Lebensraum für Tiere und Pflanzen, die dem Biodiversität Zertifizierung von öffentliche «Die ersten drei Zertifizierungen haben gezeigt, dass wir uns in Sachen Biodiversität bereits auf recht hohem Niveau bewegen. Es waren nur wenige Umgestaltungen nötig. Bei den nächsten Projekten wird es wohl mehr brauchen.» Francesco Rappa, Gemeinderat Ressort Tiefbau / Infrastruktur

13 Prädikat «naturnahe Umgebungsgestaltung» entsprechen. Die noch «junge» Anlage wird sich bei entsprechender Pflege weiter entwickeln. Die für die Zertifizierung zuständigen Experten rechnen damit, dass das endgültige Bild hinsichtlich einer stabilen Artenvielfalt in zwei bis drei Jahren erreicht sein wird. Etwas anders gelagert ist die Grünanlage rund um den Kindergarten im Choserfeld. Auch diese Freifläche wurde von der Stiftung Natur & Wirtschaft als Vorzeigeprojekt für Biodiversität im Siedlungsraum gewürdigt und zertifiziert. Denn der Freiraum rund um den Kindergarten ist weit mehr als ein klassischer Spielplatz. Er ist vielmehr ein vielfältig gegliederter Naturraum, in dem die Kinder beobachten, entdecken und gestalten können. Wiesen, offene Flächen, Baumbestände und Hecken bieten Lebensräume für Flora und Fauna. Zudem trägt die Anlage zur Durchgrünung des Quartiers bei und wirkt sich positiv auf das Mikroklima aus. Ähnliches gilt für den Stadtpark beim Ententeich. Hier wurden über 5‘000 m2 naturnah gestaltete und ökologisch wertvolle Freiflächen zertifiziert. Viele weitere Quadratmeter sollen folgen: «Als nächstes sind die Schlosswiese inklusive Schlossfelsen, der Friedhof und die Spielplätze dran», sagt Kevin Herzog, der als Leiter Stadtgrün die Zertifizierungen begleitet. en Arealen Mittelfristig rückt zudem die Förderung der Biodiversität und die entsprechende Gestaltung der Freiräume innerhalb dichter Bebauungen stärker in den Fokus. Warum ist Biodiversität im Siedlungsgebiet denn eigentlich so wichtig? Artenvielfalt ist weit mehr als ein «Nice-to-have» im Siedlungsraum. Vielfältige Lebensräume leisten einen wichtigen Beitrag zu einem gesunden und lebenswerten Umfeld. Sie bieten nicht nur Lebensraum für Pflanzen und Tiere, sondern verbessern auch das Mikroklima, speichern Wasser und helfen mit, Hitzeinseln im urbanen Raum zu reduzieren. Gleichzeitig schaffen naturnahe Freiräume Orte der Begegnung, Erholung und Naturerfahrung, und dies direkt vor der Haustüre. Gerade im Siedlungsgebiet kommt der Biodiversität deshalb eine besondere Bedeutung zu. Städte und Gemeinden können wertvolle Vernetzungsräume schaffen. Entscheidend ist dabei nicht nur die Qualität einzelner Flächen, sondern auch deren Verbindung untereinander. Naturnahe Grünflächen, Hecken, Bäume, Blumenwiesen oder offene Bodenstellen wirken wie Trittsteine innerhalb des Siedlungsraums. Sie ermöglichen es Pflanzen und Tieren, sich auszubreiten und unterschiedliche Lebensräume miteinander zu verbinden. So entsteht Schritt für Schritt ein lebendiges ökologisches Netz durch die Stadt. Ein Stück Lebensqualität für alle. Sandlinse zur Förderung von Wildbienen beim Alpenzeiger

Die Seiten von 14 Aeschlimann Sanitär Die Aeschlimann Sanitär AG am Einschlagweg 59c kann auf eine traditionsreiche Geschichte zurückblicken und feiert in diesem Jahr ihr 150-jähriges Bestehen. Sie entwickelte sich von einer kleinen Spenglerei zu einer Institution, die aus Burgdorf und der Umgebung nicht mehr wegzudenken ist. Dies war nur möglich, weil der Betrieb immer mit der Zeit ging und vor Innovationen keineswegs zurückschreckte. Das Unternehmen gilt heute als kompetenter Ansprechpartner in der Region für jegliche Sanitär-Arbeiten – von Service und Reparaturen über Sanierungen und Umbauten bis zur Planung und Realisation des neuen Traumbadezimmers, das zur Wohlfühloase werden soll. Zur Kundschaft zählen Privatpersonen ebenso wie Gewerbe- und Industriebetriebe. Insgesamt beschäftigt die Aeschlimann Sanitär AG 18 Mitarbeitende. Grosser Wert wird auf die Lehrlingsausbildung gelegt. «Wir zeichnen uns durch unsere Lösungsorientierung aus, verfügen über ein breites Partnernetzwerk und setzen alles daran, individuelle Kundenwünsche zu erfüllen», betonen die beiden Inhaber Thomas Binz und Matthias Fankhauser. «Dabei verbinden wir unsere Leidenschaft für das Handwerk mit dem Einsatz neuester Technologien und mit viel Kreativität bei der Problemlösung.» Die Aeschlimann Sanitär AG feiert ihr 150-jähriges Bestehen übrigens am Samstag, 5. September 2026, mit einem Tag der offenen Tür und zahlreichen Attraktionen. Es lohnt sich, dieses Datum bereits heute vorzumerken. astb.ch Becher kleine Herzen Kleine Herzen, grosse Freude: Unser Fine Bone Becher «Kleine Herzen» begeistert mit einem liebevollen Allover-Design. Ab CHF 19.50 Style and Home Hohengasse 4, styleandhome.ch Kleid, Jacke und Schal Kleid und Jacke von ApuntoB: minimalistische Ästhetik und exklusive Qualität aus Rom. Schal von Lalaerre – Schweizer Design aus Mailand und Bellinzona. Preise individuell Linea Moda Am Kronenplatz, linea-moda.ch

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Die Seiten von 16 Hotel Berchtold Das Hotel Berchtold an der Bahnhofstrasse 90 befindet sich in zentraler Lage im Einkaufsviertel, nur eine Minute vom Bahnhof entfernt, und verfügt über 36 moderne, ruhige und geschmackvoll eingerichtete Nichtraucher-Zimmer, davon einige Superior-Zimmer mit Dachterrasse. Gäste aus der Schweiz ebenso wie aus dem Ausland werden hier beherbergt und verwöhnt – darunter zahlreiche E-Bike- und Velofahrer/innen, die das Emmental erkunden wollen. Aber auch für alle Burgdorfer/innen dient das Hotel Berchtold mit Restaurant und Bar B5 sowie Bistro und Kaffeerösterei als beliebter Treffpunkt, um sich mit Freundinnen und Freunden zu verabreden oder für geschäftliche Besprechungen. Das B5 mit seinen Ecken und Nischen lädt zum Wohlfühlen ein – ebenso die geräumige Terrasse, auf der in den Sommermonaten coole Drinks, Speisen sowie erfrischende Desserts und im Winter im urchigen «Fondue & Raclette Chalet» Käsespezialitäten angeboten werden. Im modernen à la carte-Restaurant wird viel Wert auf Qualität, saisonale und frische Produkte gelegt. Die Speisekarte reicht von Klassikern wie B5-Salat und Burger bis zu Evergreens wie Läberli mit Rösti. In der hauseigenen Rösterei im «B5 to go» werden diverse Kaffeespezialitäten kreiert, die auch im Becher mitgenommen werden können. In Workshops wird Interessierten die vielseitige Welt des Kaffees nähergebracht. «Bei uns sind alle herzlich willkommen», hält Reto Zuberbühler fest, der das Hotel Berchtold gemeinsam mit Donata Zimmermann in einer Co-Direktion leitet. hotel-berchtold.ch SERENGETI Sonnenbrillen SERENGETI Sonnenbrillengläser passen sich dem Sonnenlicht an und bieten ein unerreicht kontrastreiches Sehen, mit oder ohne Korrektur erhältlich. Ab CHF 365.00 Greisler AG, Brillen & Contactlinsen Schmiedengasse 3, greisler-ag.ch 55% Erdbeeren Brotaufstrich 101g Eberhart’s Erdbeer-Aufstrich: Eigenbau & sonnengereift. Dazu frische, handgemachte Produkte sowie vieles mehr aus der Region im Offenverkauf. CHF 6.50 101g Eberhart's Teehaus Burgdorf Hohengasse 8, 101g.ch

17 Die Seiten von Kreative Entdeckungsreise – nächstes Datum: Mittwoch, 1. Juli, 19 bis 21 Uhr Kim stellt dir an jedem Kursabend eine Technik oder ein Material vor, so kannst du immer wieder Neues entdecken. Geniesse deine kreative Auszeit! CHF 50.00 Atelier farbwiese Hohengasse 17, farbwiese.ch Burgdorfer Kaffee für den Genuss zuhause In der hauseigenen Rösterei «B5 to go» rösten wir den Burgdorfer Kaffee wöchentlich und bieten verschiedene Mischungen an. Preise individuell Burgdorfer Espressokapseln Der Burgdorfer Kaffee, ideal zum selber trinken oder zum verschenken in diversen Verpackungen erhältlich, als ganze Bohnen, gemahlen, in Kapseln und koffeinfrei. CHF 4.50 pro Schachtel à 10 Stk. ab 100 Stk. CHF 4.00 Hotel Berchtold & B5 Bahnofstrasse 90, hotel-berchtold.ch Sneaker Soldini CHF 219.00 Shorts Mason`s CHF 169.00 Socken Xpooos CHF 14.90 Vestita AG Bahnhofstrasse 26, vestita.ch

Die Seiten von 18 Living Love Die 43-jährige Annja Egger verbindet an der Schmiedengasse 30 in der Burgdorfer Altstadt professionelles Hairstyling mit einem erlesenen Angebot an geschmacksvollen Wohnaccessoires und kreativen Geschenkideen. Die Kombination aus Coiffeur-Salon und Concept Store heisst «Living Love». Der Name steht für die Leidenschaft und Liebe der Inhaberin zu Stil, Schönheit, Ästhetik und dem Sinn für Details. Der Traum zur Selbständigkeit erfüllte sich Annja Egger bereits im August 2016 mit der Eröffnung des eigenen Salons. Die Kundinnen und Kunden wissen insbesondere ihr Feingefühl, Fachwissen und Stilbewusstsein zu schätzen – ebenso wie ihr Talent, den passenden Look und Haarschnitt zu kreieren, der die individuelle Persönlichkeit vorteilhaft betont. Den Concept Store rief sie vor rund einem Jahr ins Leben – gesundheitliche Gründe bewogen sie damals, ihr Pensum als Hairstylistin etwas zu reduzieren. Das kleine, aber feine Angebot umfasst unter anderem Lampen, Kerzen, Vasen, Kissen, Modeschmuck ebenso wie verschiedene kulinarische Köstlichkeiten, die sich als «Food-Körbli» zum Verschenken eignen. «Die Auswahl umfasst nur Stücke, die mich selbst begeistern und mit denen das Leben ein bisschen schöner wird», hält Annja Egger fest. «Mit ‹Living Love› versuche ich, Wünsche zu erfüllen – mit der Betonung der natürlichen Schönheit beim Hairstyling sowie mit geschmackvollen Wohnaccessoires und liebevollen Geschenkideen.» livinglove.ch Wo und wann kann man die Brutplätze der herzigen Puffins (Papageientaucher) in Island, Norwegen, Grönland, Schottland, Irland, USA und Kanada beobachten? Wir haben sie selber gesehen, wissen es und stellen euch auf Wunsch gerne eine wunderbare Reise zusammen! Nussbaumer Reisen AG Bahnhofstrasse 18a, nussbaumer-reisen.ch Spezialist für das Velo Wir reparieren Ihr normales Velo und E-Bike innert 24 Stunden. Verkauf von Occasion-Velos ab CHF 200.00. Occasion Velohandel Schachen 8, occasion-velohandel.ch

19 Die Seiten von Verschiedene Dosen Dosen - als Deko und Mini-Stauraum oder Aroma-/Lichtschutz. Diverse Grössen, Formen & Sujets; «einzig-artige Auswahl»... Preise individuell ChocoLade Poststrasse 9, choco-lade.ch Modeschmuck Passend für den Sommer – Schmuck-Set Messing vergoldet mit türkisfarbenen Edelsteinen, hergestellt in einem Frauenhaus in Brasilien. Ab CHF 48.00 LIVING LOVE GmbH Schmiedengasse 30, livinglove.ch Mediterrane Sommerfreude Mediterrane Feinkost für den Sommer: Frische Aromen, feine Delikatessen & besondere Momente! Preise individuell Lavanda Feinkost Blaser & Dugumovic Hunyadigasse 2, lavanda.ch 20 % Rabatt auf alle Sonnenschutzprodukte von La Roche-Posay z.B. La Roche-Posay Anthelios Transparent UV Mune 50+ 50 ml CHF 25.50 statt CHF 31.90 Bahnhof Apotheke Zbinden AG Bahnhofstrasse 13, achillea.ch

Die Seiten von 20 Wellnesspraxis Burgdorf Für alle, die sich nach Entspannung, Linderung von Beschwerden oder einer wohltuenden Auszeit vom manchmal herausfordernden beruflichen oder familiären Alltag sehnen, stellt die Wellnesspraxis Burgdorf an der Schmiedengasse 19 die richtige Anlaufstelle dar. «Bei mir können Kundinnen und Kunden abschalten, sich geborgen fühlen, zur Ruhe kommen und neue Kraft und Energie tanken», verspricht Inhaberin Anina Allemann-Hirter. Mit einer klassischen Massage werden gezielt Verspannungen gelöst, die Durchblutung wird angeregt und das Nervensystem kommt zur Ruhe. Grosser Beliebtheit erfreut sich auch die Schwingkissentherapie, bei der die Kundin bzw. der Kunde auf einem luftgefüllten Kissen liegt, während Wirbelsäule und Gelenke durch sanfte Schwingbewegungen mobilisiert und Blockaden sowie Verspannungen gelöst werden. Die Therapie dient dazu, die Körperstatik zu verbessern und die Wirbelgelenke wieder in die richtige Position zu bringen. «Nach einer wohltuenden Massage fühlt man sich ruhig, entspannt und kehrt mit mehr Leichtigkeit in den Alltag zurück», hält die diplomierte Berufsmasseurin Anina Allemann-Hirter fest. Neu bietet sie ein prä- und postpartales Coaching für Frauen an, die sich während und nach der Schwangerschaft eine ganzheitliche Betreuung wünschen – als Ergänzung zur Begleitung durch Hebamme und Frauenarzt / Frauenärztin. Dabei stehen Themen wie gesunde Ernährung, passende Bewegung und der Umgang mit körperlichen und emotionalen Veränderungen im Fokus. wellnesspraxis-burgdorf.ch Der Sommer 2026 steht vor der Tür Unsere neuen Sonnenbrillen sind eingetroffen und auch mit Ihren Korrekturwerten erhältlich. Gerne beraten wir Sie in unserem Geschäft. Preise individuell Optik von Gunten AG Poststrasse 5, optik-vongunten.ch Taschenmesser Drachen Exklusiv bei Klötzlis: das Drachen-Taschenmesser mit Schere und Säge. Perfekt vorbereitet für deine Abenteuer! CHF 49.00 Klötzli Messerschmiede Hohengasse 3, klotzli.com

21 Die Seiten von Gilet und Hose nach Mass Massanfertigungen oder Änderungen für die Solätte oder andere Veranstaltungen. Preise individuell Gervaise hand made Schmiedengasse 13, gervaise.ch Schön für dein Zuhause. Sinnvoll darüber hinaus. Mit dem Kauf einer unserer Vasen unterstützt du Menschen, die bei uns Schritt für Schritt zurück in den Alltag finden – von Hand gefertigt in Burgdorf. Ab CHF 27.00 Stiftung Intact Keramikwerkstatt Bernstrasse 7, wir-bringens.ch Sensolar Sonnenspray LSF 50 ohne Emulgator 100 ml Sonnen Spray Sensolar bietet ultraleichten, unsichtbaren Schutz mit hohem UV-Filter, zieht blitzschnell ein und pflegt die Haut ohne zu fetten. CHF 35.90 Micronährstoffe Energie 162 g Mehr Energie im Alltag – mit der Kraft hochwertiger Micronährstoffe. CHF 137.50 Teemischung Eis-Tee 100 g Die perfekte Balance aus Tee, Frische und Genuss. CHF 9.30 Apotheke Ryser AG Lyssachstrasse 17, apotheke-ryser.ch

22 Sie kommen aus fernen Ländern und mit völlig unterschiedlichen schulischen Voraussetzungen nach Burgdorf: Im Regionalen Intensivkurs PLUS lernen Jugendliche seit bald zehn Jahren nicht nur Deutsch, sondern auch, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Das Angebot bereitet sie vor für ihren Weg in Schule, Beruf und Alltag. Mit klaren Strukturen, individueller Förderung und viel Geduld. Wer das Schulzimmer des Regionalen Intensivkurses PLUS (RIK+) im Untergeschoss des BZ Emme sucht, braucht schon mal Geduld. «Es kann für manche einer kleinen Odyssee gleichkommen», sagt Klassenlehrer Roger Hess. Einmal angekommen, erwartet die Besuchenden eine überraschende Ruhe. Zehn Jugendliche lernen konzentriert an den Pulten. Einige arbeiten in Hefte vertieft, andere am Laptop. Kein Gemurmel, kein Herumrufen, kein Handygeklingel. Roger Hess sitzt neben einem Schüler und erklärt ruhig einen Arbeitsauftrag. Anderswo notiert ein Mädchen neue deutsche Wörter in ihrem Arbeitsheft. An der Wandtafel stehen klar gegliedert die Ziele und der Ablauf des Morgens. Es herrscht Struktur statt Hektik, Konzentration statt Dauergetuschel. Was hier stattfindet, ist mehr als Sprachunterricht. Es geht um Orientierung, Selbstvertrauen und darum, in einem fremden Land überhaupt erst einmal anzukommen. Seit nunmehr zehn Jahren richtet sich der vom Kanton Bern getragene und der Volksschule angegliederte Sprachkurs an Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren, die erst seit kurzer Zeit in der Schweiz leben und kaum Deutsch sprechen. Manche kommen mit solider Schulbildung nach Burgdorf, andere haben jahrelang keine oder gar nie eine Schule besucht. Die Unterschiede der Jugendlichen aus aller Welt sind enorm, sowohl sprachlich, kulturell, schulisch als auch biografisch. Genau darin liegt die grösste Herausforderung. «Wir haben hier eine Heterogenität, die man mit keinem anderen Schulsetting vergleichen kann», sagt Roger Hess. Seit acht Jahren unterrichtet er im Burgdorfer RIK+. Davor arbeitete er 15 Jahre als Oberstufenlehrer in Lyss und Belp und auch zwei Jahre mit traumatisierten syrischen Kindern in Bern und geflüchteten Irakern in Neuenegg. Heute begleitet er Jugendliche auf einem Weg, der oft mit Unsicherheit, Heimweh und unverarbeiteten Traumata verbunden ist. Deutsch als wichtigstes Werkzeug Denn die Jugendlichen kämpfen nicht nur mit der deutschen Grammatik und dem Wortschatz. Viele tragen Belastungen mit sich, über die sie kaum sprechen können. «Zur Pubertät kommen Kulturunterschiede, Trauer, Fluchterfahrungen oder ein grosser Integration – 10 Jahre RIK+ Burgdorf Die Sprache als Schlüssel zu

23 innerer Widerstand, die Schweiz als ihr neues Zuhause zu akzeptieren», erklärt Roger Hess. Gleichzeitig fehle oft die Sprache, um Gefühle überhaupt ausdrücken zu können. «Wie sollen sie über persönliche Probleme sprechen, wenn ihnen das Werkzeug dafür fehlt?» Um den Jugendlichen Halt zu geben, setzt der Unterricht auf klare Strukturen. Jeder Tag folgt dabei einem festen Ablauf, Regeln sind verbindlich, Handys liegen stumm geschaltet in einer Kiste. Pünktlichkeit, Integrationsbereitschaft, Einsatz, Höflichkeit und Teamfähigkeit werden vorausgesetzt, die Jugendlichen damit aktiv animiert ihre Verantwortung der Gruppe gegenüber wahrzunehmen. Innerhalb der Klasse herrscht grosse Solidarität. Das pädagogische Fundament trägt seit Jahren derselbe Satz, der vorne an der Wandtafel steht: «Lerne es selber zu tun.» Ein Gedanke von Maria Montessori, der im RIK+ konsequent umgesetzt wird. Die Jugendlichen arbeiten weitgehend individualisiert. Jede Woche erhalten sie neue persönliche Lernziele. Wer schneller vorankommt, arbeitet weiter. Wer länger braucht, erhält Unterstützung. Entscheidend ist nicht das Tempo, sondern das Verständnis. «Meine Aufgabe ist es, zu begleiten und den Lernweg zu unterstützen», sagt Roger Hess. Tatsächlich ist er während des Unterrichts permanent unterwegs. Kaum hat er einer Schülerin beim Textverständnis geholfen, wartet bereits der nächste Jugendliche mit einer Frage zur Grammatik. Dazwischen korrigiert er Arbeiten und bereitet individuelle Programme für die nächste Woche vor. Ein permanenter Spagat. Trotzdem wirkt der Unterricht erstaunlich ruhig. Vielleicht gerade deshalb, weil hier niemand dauernd mithalten oder besser sein muss als die anderen. Professor Alexander Wettstein, der sich seit Jahren mit Stressforschung beschäftigt, bezeichnete den Kurs anlässlich seines Unterrichtsbesuches als «Vorzeigebeispiel für stressfreien, aber klar strukturierten Unterricht mit wenig Störungen». Dass dies funktioniert, liegt neben der engen Begleitung durch die Lehrperson auch daran, dass stressfördernde Faktoren wie das Fachlehrersystem, der starre 45-Minuten-Takt oder Selektionsdruck wegfallen – und natürlich an der überschaubaren Klassengrösse. Maximal zwölf Jugendliche besuchen den Kurs gleichzeitig. Die Kursdauer ist maximal auf zwei Jahre begrenzt. Ziel ist immer ein Anschluss: eine Berufsvorbereitung, eine weiterführende Schule, eine Lehrstelle oder bei den Jüngeren die Integration in die reguläre Volksschule. In der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen Die erstaunlichen Lernwege der Jugendlichen zeigen, dass der Ansatz des Unterrichts funktioniert. Die meisten wechseln später in ein berufsvorbereitendes Schuljahr. Einige treten direkt eine Lehre an. Eine Jugendliche aus Brasilien schaffte sogar den direkten Übertritt ans Gymnasium. Und dennoch bleibt ein Widerspruch bestehen: Obwohl Integration das zentrale Ziel des Programms ist, findet der Unterricht weitgehend abgeschottet statt. Der Kursraum liegt versteckt im Untergeschoss des BZ Emme. Kontakte zur «normalen» Oberstufe entstehen nicht. «Wir führen ein Schattendasein und werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen», sagt Roger Hess. Hinzu kommt die soziale Isolation vieler Jugendlicher. Nach dem Unterricht bleiben sie häufig unter sich. Nicht aus Absicht, sondern weil Sprache, Geld oder fehlende Kontakte Grenzen setzen. Der Zugang zu einem Sportverein oder anderen Freizeitangeboten wäre wichtig, scheitert aber manchmal bereits an den Kosten. Dabei zeigt gerade der Besuch im RIK+, wie entscheidend Sprache für Integration ist. Wer Deutsch versteht, kann Beziehungen aufbauen, mitreden, dazugehören. Sprache öffnet die Tür zur Schule, zur Arbeitswelt und letztlich zur Gesellschaft. ur Zukunft

24 Die Künstlerin Selina Lutz interessiert sich nicht für das Laute oder Spektakuläre. Ihr Blick gilt dem Flüchtigen, dem Alltäglichen und jenen Momenten, die im hektischen Alltag oft übersehen werden. In einem Auslandatelier in Genua will sie diesem Sehen nun noch konsequenter nachgehen: mit offenen Augen, Zeit und möglichst wenig Ablenkung. Manchmal «ruft» ein Gegenstand – nicht laut, eher beiläufig. Ein Stück Plastik vielleicht, eine Falte im Stoff, ein Schatten auf einem Beutel, ein leerer Stuhl. Für die Künstlerin Selina Lutz sind solche Dinge keine Nebensächlichkeiten. Sie sind mögliche Bilder, Spuren, Auslöser. «Spiel mit mir», scheinen sie ihr zuzurufen, wenn sie auf dem Weg zu ihrem Atelier in der Burgdorfer Kulturfabrik unterwegs ist. Wer sich mit Selina Lutz befasst, merkt schnell: Hier denkt jemand nicht in Kategorien, nicht in richtig oder falsch, geplant oder intuitiv, wichtig oder unwichtig. Ihre Kunst entsteht irgendwo dazwischen. Im Übergang. Im tastenden Beobachten. Vielleicht gerade deshalb wirken ihre Arbeiten gleichzeitig körperlich, verletzlich, geheimnisvoll und unmittelbar präsent. 2026 wird Selina Lutz für drei Monate das Ausland– atelier der der Städtekonferenz Kultur (eine Konferenz des Schweizerischen Städteverbands) SKK in Genua beziehen. Für Kunstschaffende aus der ganzen Schweiz gilt dies als besondere Möglichkeit, für einige Monate ganz in die eigene Arbeit einzutauchen. Für Selina Lutz selbst scheint der Aufenthalt jedoch weit mehr zu sein als ein Ortswechsel. Eher eine bewusste Verschiebung des Blicks. Oder, wie sie selbst sagt: «Nicht ankommen, sondern erst fündig werden.» Burgdorf als Gegenpol Selina Lutz lebt und arbeitet zwischen Bern und Burgdorf. Während Bern ihr kulturelles Netzwerk bildet, scheint Burgdorf für sie eine andere Qualität zu besitzen: eine Art offene Zwischenwelt zwischen Atelier, Landschaft und Alltag. Sie spricht von Spaziergängen durch Felder und Wälder. Vom Schwimmbad. Von der Gärtnerei. Vom Lieblings-Tearoom in der Oberstadt. Von gutem Käse. Fast beiläufig entsteht dabei das Bild einer Künstlerin, die ihre Umgebung nicht bloss konsumiert, sondern regelrecht einsammelt. Die Kulturfabrik bietet ihr dabei offensichtlich genau den richtigen Rahmen. Einen Ort, an dem ausprobiert werden darf. Wo nicht jede Idee sofort funktionieren muss und wo Spiel möglich bleibt. «Neben meiner Arbeit im Atelier bleibt oft Raum für dieses Spielerische», sagt sie. Gleichzeitig scheint Selina Lutz die Trägheit kleiner Städte durchaus bewusst wahrzunehmen. Burgdorf Selina Lutz Zwischen Sandstein und Sehn

25 und Bern beschreibt sie liebevoll, aber auch kritisch als gemütlich und träge. «Das Gewicht des Sandsteins», nennt sie es. Ein poetisches Bild. Und doch steckt darin auch eine gewisse Unruhe. Denn viele Kunstschaffende verlassen Bern nach dem Studium oder den ersten Erfolgen. Selina Lutz hingegen blieb. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil sie die Szene aktiv mitgestaltet. Sie gründete ein Künstlerhaus mit, arbeitet an inklusiven Kunstprojekten, leitet den Berner Offspace «Milieu» mit und engagiert sich in der kantonalen Kunstkommission. Kunst ist für sie nicht nur Atelierarbeit, sondern auch Austausch, Verantwortung und Bewegung. Zeichnen als eine Form des Sehens Wer versucht, Selina Lutz’ Arbeiten zu beschreiben und einzuordnen, scheitert ziemlich schnell. Ihre Bilder bewegen sich zwischen Zeichnung und Malerei, Erinnerung und Beobachtung, Gegenständlichkeit und Auflösung. Sie selbst spricht lieber von einer Art «Übersetzung». Etwas Wahrgenommenes oder Gespeichertes taucht in anderer Form wieder auf. Alte Erinnerungen mischen sich mit neuen Eindrücken. Vergessene Skizzen kehren plötzlich zurück. Nicht als Wiederholung, sondern als «Bestätigung», wie sie sagt. Interessant ist dabei ihre Offenheit gegenüber dem Zufälligen. Früher habe sie Angst vor Beliebigkeit gehabt. Heute reize sie genau das. Das Nebensächliche. Das Alltägliche. Das vermeintlich Unwichtige. Vielleicht liegt gerade darin die besondere Kraft ihrer Arbeiten: Sie versuchen nicht, die Welt zu erklären. Sie machen sie durchlässiger. «Ich möchte weiter üben, möglichst offen zu bleiben», sagt sie. Ihre Bilder entstehen deshalb oft im Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Kontrollverlust. Sie arbeitet bewusst mit zu langen Pinseln oder zu grossen Stiften, um sich selbst auszutricksen. Um das Geplante wieder zu verlieren. «Lernen, verlernen, lernen», nennt sie das. Genua als Gegenbewegung Bereits die Zugfahrt nach Genua würde etwas in ihr verändern, erzählt Selina Lutz. Das Denken verschiebe sich. Der Blick werde wacher. In Genua möchte sie bewusst anders sehen lernen. Die Hafenstadt erscheint dabei fast wie ein Gegenentwurf zum vertrauten Alltag in Burgdorf und Bern: laut, dicht, bewegt, voller Geschichte und Reibung. Genau das reizt sie: «Ich merke, wie viel Zeit ich damit verbringe, Dinge nicht zu sehen, obwohl ich sie sehe.» In Genua soll daraus ein visuelles Journal entstehen. Eine Sammlung von Beobachtungen, langsamen Bilder und flüchtigen Momenten. Der Arbeitstitel des Projekts lautet: «Wir sehen uns». Der Satz funktioniert gleichzeitig als Gruss, Erinnerung und Einladung. Dinge schauen zurück. Gegenstände entwickeln ein Eigenleben. Zeichnen wird zum Zeugnis der eigenen Wahrnehmung. Besonders fasziniert sie der berühmte Friedhof Cimitero Monumentale di Staglieno. Dort begegnen sich Grabskulpturen, Katzen, Touristen, Trauernde und Schattenzonen des Alltags. Bewegung und Stillstand überlagern sich. Selina Lutz interessiert dabei weniger das Spektakuläre als das Dazwischen. Ein leerer Stuhl kann für sie eine ganze Geschichte erzählen. Ein Schatten verrät die «Ich möchte in Genua eine Bildsprache finden, mit der ich flüchtige Momente festhalten kann.» Selina Lutz, Künstlerin hnsucht

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